Welche Brettspiele gab es im Mittelalter?

Welche Brettspiele gab es im Mittelalter
Welche Brettspiele gab es im Mittelalter

Neben Kartenspielen waren auch Brettspiele bereits im Mittelalter eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Allerdings wurden sie nicht, wie heute, von der gesamten Familie gespielt, vielmehr waren es Spiele, die ausschließlich der erwachsenen Bevölkerung vorbehalten blieben. Für Kinder waren sie nicht bestimmt. Die Vielfalt an solchen Brettspielen war im Mittelalter enorm, viele heute noch bekannte Brettspiele wurden in dieser Zeit entwickelt oder zumindest in ähnlicher Form gespielt.

Wir stellen Ihnen im Folgenden einige Brettspiele aus dem Mittelalter im Detail vor.

Alquerque

Alquerque (auch bekannt als Qirkat) ist ein strategisches Brettspiel, von dem angenommen wird, dass es seinen Ursprung im Nahen Osten hat.

In der Literatur taucht das Spiel erstmals Ende des 10. Jahrhunderts auf, als Abu al-Faraj al-Isfahani Qirkat in seinem 24-bändigen Werk Kitab al-Aghani („Buch der Lieder“) erwähnt. In diesem Werk wurden jedoch die Spielregeln nicht beschrieben. Später vermutete man, dass die Mauren, als sie in Spanien einfielen, El-Qirkat mitnahmen. Die ersten Regeln sind im Libro de los juegos (Buch der Spiele) enthalten, das Alfonso X. von Kastilien im 13. Jahrhundert schrieb.

Alquerque
Alquerque

Regeln

Bevor es losgeht, setzt jeder Spieler seine zwölf Spielsteine in die beiden Reihen, die ihm am nächsten sind, und auf die beiden Felder ganz rechts in der mittleren Reihe. Das Spiel wird abwechselnd gespielt, wobei ein Spieler weiß und der andere schwarz zieht.

Eine Figur kann von ihrem Punkt zu einem beliebigen leeren Nachbarpunkt ziehen, der durch eine Linie verbunden ist.

Eine Figur kann über eine gegnerische Figur springen und diese aus dem Spiel nehmen, wenn die gegnerische Figur angrenzt und der Punkt hinter ihr leer ist.

Mehrere Schlagsprünge sind erlaubt und sogar obligatorisch, wenn möglich.

Wenn ein Schlag möglich ist, muss er ausgeführt werden, andernfalls wird die Figur aus dem Spiel genommen (oder geschnappt).

Das Ziel des Spiels ist es, die gegnerischen Figuren zu eliminieren.

Zusätzliche Regeln

  1. C. Bell entwickelte zusätzliche Regeln, da er der Meinung war, dass die von Alfonso X gegebenen Regeln nicht ausreichen, um ein gutes Spiel zu spielen. Diese zusätzlichen Regeln sind:
  • Eine Figur kann nicht rückwärts ziehen (z. B. hätte eine Figur in der Mitte eines leeren Brettes fünf Züge zur Verfügung).
  • Keine Figur kann zu einem Punkt zurückkehren, den sie zuvor besetzt hat.
  • Sobald eine Figur die hintere Reihe des Gegners erreicht hat, kann sie nur noch ziehen, um gegnerische Figuren zu schlagen.

Das Spiel ist gewonnen, wenn entweder:

  • Der Gegner hat alle seine Figuren verloren.
  • Keine der gegnerischen Figuren kann mehr ziehen.
Backgammon
Backgammon

Die jeux de tables („Tischspiele“), Vorläufer des modernen Backgammon, tauchten erstmals im 11. Jahrhundert in Frankreich auf und wurden zu einem beliebten Zeitvertreib der Spieler. Im Jahr 1254 erließ Ludwig IX. ein Dekret, das seinen Hofbeamten und Untertanen das Spielen verbot. Tischspiele wurden im 12. Jahrhundert in Deutschland gespielt und waren im 13. Jahrhundert nach Island gelangt. In Spanien beschreibt das Manuskript Libro de los juegos von Alfons X. aus dem Jahr 1283 Regeln für eine Reihe von Würfel- und Tischspielen, zusätzlich zu einer ausführlichen Beschreibung des Schachspiels. Im 17. Jahrhundert wurde aus dem Wrack der Vasa unter den Habseligkeiten der Schiffsoffiziere ein Holzbrett mit Backgammon geborgen.

 

Backgammon ist in der Malerei dieser Zeit weit verbreitet, vor allem bei niederländischen und deutschen Malern wie Van Ostade, Jan Steen, Hieronymus Bosch und Bruegel. Einige der erhaltenen Werke sind „Der Kartenspieler“ von Caravaggio (das Backgammon-Brett ist unten links zu sehen) und „Der Triumph des Todes“ von Pieter Bruegel dem Älteren (das Backgammon-Brett ist unten rechts). Weitere Werke sind „Hölle“ (Bosch) und „Innenraum eines Gasthauses“ von Jan Steen.

Großbritannien

Im 16. Jahrhundert verboten elisabethanische Gesetze und kirchliche Vorschriften das Spielen an Tischen, aber im 18. Jahrhundert war Backgammon unter dem englischen Klerus sehr beliebt. Edmond Hoyle veröffentlichte 1753 „A Short Treatise on the Game of Back-Gammon“, das Regeln und Strategien für das Spiel beschrieb.

Im Englischen leitet sich das Wort „Backgammon“ höchstwahrscheinlich von „back“ und dem mittelenglischen Wort „gamen“ ab, was „Spiel“ bedeutet. Die früheste im Oxford English Dictionary dokumentierte Verwendung stammt aus dem Jahr 1650.

Backgammon-Regeln

Spielziel

Jeder Spieler muss die eigenen 15 Steine über das Spielfeld würfeln, sie alle im „Inneren Hof“ versammeln und von dort hinausspielen. Wer das zuerst schafft, gewinnt das Spiel.

Spielvorbereitung

Jeder Spieler wählt eine Farbe und erhält die 15 entsprechenden Steine. Entsprechend der gewählten Farbe nennen wir die Spieler jetzt “Weiß” und “Schwarz”. Jeder Spieler erhält zwei normale Augenwürfel.

Spielablauf

Um den Startspieler zu ermitteln, wirft jeder Spieler zunächst einen Würfel. Wer die höhere Augenzahl erzielt, beginnt. Daraus ergibt sich die erste Kombination: aus dem eigenem einen geworfenen Würfel und aus dem einen Würfel des Gegners. Ab jetzt werfen beide Spieler, die abwechselnd an die Reihe kommen, immer beide Würfel. Es dürfen übrigens so viele Steine auf den Spitzen gesammelt werden wie man möchte, es gibt spezielle Spielregeln die das begrenzen, z. B. die ägyptische Regel, welche maximal 5 Steine auf den Spitzen erlaubt. Der Startspieler zieht nun seine entsprechend gewürfelten Augenzahlen. Steine dürfen nur in der vorbestimmten Zugrichtung bewegt werden, niemals entgegengesetzt. Beim Bewegen eines Steines wird die Spitze, auf der er steht, nicht mitgezählt. Für das Ziehen der Steine gibt es festgelegte Regeln.

Gammon und Backgammon

Hat am Ende des Spiels der Gegner wenigstens einen Stein hinausspielen können, so zahlt er den einfachen Einsatz. Bei “Gammon”, wenn der Verlierer keinen Stein hinausspielen konnte, zahlt er den doppelten Einsatz. Der dreifache Einsatz wird bei “Backgammon” fällig, wenn der Verlierer keinen Stein hinausspielen konnte und noch keinen oder mehrere Steine außerhalb seines “Inneren Hofes” hat.

Schach

Das Schach-Spiel ist eines der ältesten Brettspiele. Wahrscheinlich ist es in Indien entstanden, kam von dort nach Persien und verbreitete sich dann im ganzen arabischen Raum. Heute spielen Menschen auf der ganzen Welt Schach. Viele sagen: Es ist das spannendste und vielseitigste Spiel, das es gibt. Der Name „Schach” kommt von dem persischen Wort „Schah” und bedeutet: König.

Schach
Schach

Schon vor vielen hundert Jahren haben die Menschen überlegt: Woher kommt das Schach-Spiel? Wer hat es erfunden? Und weil es auf diese Fragen keine genaue Antwort gab, haben sich die Menschen Geschichten ausgedacht, wie etwa diese hier:

„Vor langer Zeit regierte in Indien der Herrscher Shihram. Er war ein Tyrann (= Gewaltherrscher) und seine Untertanen litten sehr unter ihm. Da erfand der Weise Sissa das Schachspiel. Mit diesem Spiel wollte er dem strengen Herrscher zeigen, wie wichtig für einen König seine Untertanen sind. Der König auf dem Schachbrett braucht die Bauern, Läufer, Springer und so weiter – ohne sie ist er verloren. Und genauso ist ein wirklicher König auf seine Untertanen angewiesen. Das sollte der strenge indische König lernen. König Shihram verstand diese Belehrung gut. Das neue Spiel gefiel ihm sehr gut und so wurde er ein begeisterter Schachspieler. Er befahl, dass das Schachspiel im ganzen Land verbreitet werden soll.”

Das ist der erste Teil der alten Geschichte aus Persien. Die Geschichte ist erfunden, es ist eine Legende. Sie gibt eine schöne Erklärung für die Entstehung des Spiels – und sie zeigt den Menschen, dass alle aufeinander angewiesen sind, die ‘Starken’ auf die ‘Schwachen’ und umgekehrt. Nun folgt die überraschende Fortsetzung der Geschichte:

König Shihram war dem Weisen Sissa sehr dankbar für das neue Spiel und für die Belehrung. Er führte Sissa zu seiner Schatzkammer und sagte ihm: „Du darfst dir wünschen was du willst, du sollst es bekommen!” Sissa dachte nach und sagte dann zum König: „Ich wünsche mir nichts von deinen Schätzen. Ich habe einen anderen Wunsch.” Er ging mit dem König zu einem Schachbrett und sagte dann zum König: „Das ist mein Wunsch: Ich möchte Weizenkörner von dir. Lege auf das erste Feld des Schachbretts ein Korn und dann auf jedes weitere Feld des Schachbretts doppelt so viele Körner wie auf dem Feld davor.” (Also: auf dem zweiten Feld 2 Körner, auf dem dritten Feld 4 Körner, auf dem vierten Feld 8 Körner und so weiter…) – Da wurde der König zornig. Er schrie: „Ich habe dir all meine Schätze angeboten – und du willst nur ein paar Weizenkörner von mir haben?? Willst du mich beleidigen?” – „O nein, mein Herr,” sagte Sissa, „bestimmt möchte ich dich nicht beleidigen. Bitte erfülle mir meinen Wunsch, dann wirst du sehen, dass es ein großer Wunsch ist.” – Der König rief seine Diener und befahl ihnen, das Schachbrett so mit Körnern zu belegen, wie Sissa es wünschte. Die Diener holten Weizen und fingen damit an. Doch schon bald merkten sie: Es ist unmöglich, diesen Wunsch zu erfüllen. Sie kamen zum König und sagten zu ihm: „Wir können Sissas Wunsch nicht erfüllen.” – „Warum nicht?” fragte der König wütend. Da antworteten sie ihm: „Aller Weizen unseres Landes und dazu der Weizen unserer Nachbarländer ist nicht genug, um diesen Wunsch zu erfüllen. So viel Weizen gibt es gar nicht.” So hat der König Shihram eine zweite Belehrung von Sissa erhalten. Er hat gelernt, dass man das Kleine und Geringe nicht unterschätzen soll.

Das Schachspiel hat sehr einfache Regeln und bietet trotzdem unendlich viele Möglichkeiten. Und die Schach-Geschichte mit den Weizenkörnern ist ein kleines Beispiel dafür, dass auch in den kleinen, einfachen Dingen große Überraschungen und manchmal auch Wunder stecken können.

Die Entstehung des modernen Schachspiels

Während des 15. Jahrhunderts erfährt das alte arabische und mittelalterliche Schach eine Modifikation in der Gangart zweier seiner Figuren. Der Läufer bewegt sich statt des begrenzten Sprungs aufs dritte Feld fortan frei auf allen Diagonalen. Und der arabische „Farzin“, der Berater des Königs, wandelt sich in die mächtigste Figur, die Dame, um. Diese vereinigt nun in sich die Beweglichkeit des Turms und des neuen Läufers. Die Folgen für Taktik und Strategie des Spiels sind gewaltig, das Schachspiel erobert von da an eine neue technische Dimension, was sein Überleben bis in unsere Tage bewirkt hat.

Es ist sehr wahrscheinlich so, dass diese belebende Verwandlung des Schachs auch auf der Iberischen Insel stattfand, weil das erste Werk über die neue Spielart das Buch des Spaniers Lucena, geschrieben um 1497, ist.

Mühle

Laut R. C. Bell enthält das früheste bekannte Spielbrett diagonale Linien und wurde „in die Dachplatten des Tempels von Kurna in Ägypten geschnitten“. Er schätzt sie auf ca. 1400 v. Chr. Friedrich Berger schrieb, dass einige der Diagramme in Kurna koptische Kreuze enthalten, was es jedoch zweifelhaft macht, dass die Diagramme auf 1400 v. Chr. datiert sind.

Eine der frühesten Erwähnungen des Spiels, welches wir heute als Mühle kennen, findet sich möglicherweise in Ovids Ars Amatoria. In Buch III (ca. 8 n. Chr.) schreibt Ovid, nachdem er Latrones, ein beliebtes Brettspiel, besprochen hat: „Es gibt ein anderes Spiel, das in so viele Teile unterteilt ist, wie es Monate im Jahr gibt. Ein Tisch hat drei Figuren auf jeder Seite; der Gewinner muss alle Figuren in eine gerade Linie bringen. Es ist schlecht für eine Frau, wenn sie nicht weiß, wie man es spielt, denn die Liebe entsteht oft während des Spiels.“

Man geht davon aus, dass das Spiel wahrscheinlich schon bei den Römern bekannt war, denn es gibt viele Spielbretter auf römischen Gebäuden, auch wenn eine Datierung unmöglich ist. Es ist möglich, dass die Römer das Spiel über die Handelswege kennengelernt haben, aber das lässt sich nicht beweisen.

Das Spiel könnte von den Bildhauern gespielt worden sein, während sie die riesigen Tempel bauten. In Stein gemeißelte Inschriften sind an vielen Stellen zu sehen. Das Mühle-Spiel erreichte seinen Höhepunkt im mittelalterlichen England: Ein Ziegelstein, der auf einer mittelalterlichen Baustelle in der Nähe von Wisbech gefunden wurde, diente den Ziegelbrennern als Spielbrett, bevor er gebrannt wurde. In den Klostersitzen der englischen Kathedralen von Canterbury, Gloucester, Norwich, Salisbury und Westminster Abbey wurden Spielbretter gefunden. Bei diesen Brettern wurden Löcher und keine Linien verwendet, um die neun Felder auf dem Brett darzustellen – daher der Name „nine holes“ (neun Löcher).

Ein weiteres Brett ist in den Sockel einer Säule in der Kathedrale von Chester in Chester eingemeißelt. Riesige Bretter für den Außenbereich wurden manchmal in die Grünflächen von Dörfern geschnitten. In Shakespeares Werk „Ein Sommernachtstraum“ aus dem 17. Jahrhundert bezieht sich Titania auf ein solches Brett.

Nach Ansicht einiger Autoren ist der Ursprung des Spiels ungewiss: Es wurde spekuliert, dass der Name des Spiels mit den Morris-Tänzen und damit mit der maurischen Sprache zusammenhängt, aber laut Daniel King hat das Wort „Morris“ nichts mit dem gleichnamigen alten englischen Tanz zu tun. Es leitet sich viel mehr vom lateinischen Wort merellus ab, das einen Zähler oder eine Spielfigur bedeutet. King weist auch darauf hin, dass das Spiel bei den römischen Soldaten beliebt war.

In einigen europäischen Ländern wurde der Gestaltung des Spielbretts eine besondere Bedeutung als Symbol des Schutzes vor dem Bösen beigemessen.

Tafl Spiele

Tafl-Spiele sind eine Familie alter nordischer und keltischer Strategie-Brettspiele, die auf einem schachbrettartigen oder gitterförmigen Spielbrett mit zwei Armeen in ungerader Anzahl gespielt werden. Wahrscheinlich basieren sie auf dem römischen Spiel Ludus latrunculorum. Zu den Namen der verschiedenen Varianten von Tafl gehören Hnefatafl, Tablut, Tawlbwrdd, Brandubh, Ard Rí und Alea Evangelii.

Spiele der Tafl-Familie wurden in Norwegen, Schweden, Dänemark, Island, Großbritannien, Irland und Lappland gespielt. Das Tafl-Spiel wurde schließlich im 12. Jahrhundert vom Schach verdrängt, aber die Tafl-Variante der Samen, Tablut, wurde mindestens bis ins 17. Jahrhundert gespielt.

Die Regeln für Tablut wurden 1732 von dem schwedischen Naturforscher Linnaeus niedergeschrieben und 1811 aus dem Lateinischen ins Englische übersetzt. Alle modernen Tafl-Spiele beruhen auf der Übersetzung von 1811, die viele Fehler enthielt. Neue Regeln wurden hinzugefügt, um die aus diesen Fehlern resultierenden Probleme zu beheben, was zur Schaffung einer modernen Familie von Tafl-Spielen führte. Darüber hinaus wird Tablut heute auch nach den ursprünglichen Regeln gespielt, die neu übersetzt wurden.

Mehrere Spiele können mit Tafl-Spielen verwechselt werden, weil sie das Wort Tafl in ihrem Namen enthalten oder andere Ähnlichkeiten aufweisen. Halatafl ist der altnordische Name für Fuchs und Gans, ein Spiel, das aus dem 14 Jahrundert stammt. Es ist in Europa immer noch bekannt und wird bis heute gespielt. Kvatrutafl ist der altnordische Name für Tables (der mittelalterliche Vorläufer von Backgammon). Skáktafl ist der altnordische Name für Schach. Fidchell oder Fithcheall wurde in Irland gespielt. Das walisische Äquivalent war Gwyddbwyll und das bretonische Gwezboell.

Tafl-Varianten

Die einzige Tafl-Variante, für die ein relativ eindeutiges Regelwerk bis in die Neuzeit überlebt hat, ist Tablut, die samische Variante des Spiels, die von Linnaeus während seiner Expedition nach Lappland im Jahr 1732 aufgezeichnet wurde.

Für das mittelalterliche Spiel gibt es keine vollständige, eindeutige Beschreibung der Regeln, aber das Ziel des Königs ist es, in die (verschiedenen) Randbereiche oder Ecken des Spielbretts zu fliehen, während das Ziel der größeren Truppe darin bestand, ihn zu fangen. Obwohl die Größe des Spielbretts und die Anzahl der Spielfiguren variierten, bestand bei allen Spielen ein ausgeprägtes 2:1-Verhältnis der Figuren, wobei die schwächere Seite eine Königsfigur hatte, die in der Mitte begann. Es ist umstritten, ob bei einigen Tafl-Spielen (z. B. Hnefatafl und Tawlbwrdd) Würfel zum Einsatz kamen.

Alea evangelii

Alea evangelii, was so viel wie „Spiel der Evangelien“ bedeutet, wurde in einer Zeichnung in dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Manuskript 122 des Corpus Christi College, Oxford, aus dem angelsächsischen England beschrieben. Es wurde auf den Schnittpunkten eines Brettes mit 18×18 Feldern gespielt. Das Manuskript beschreibt die Anordnung des Brettes als religiöse Allegorie, aber es ist klar, dass es sich um ein Spiel in der Familie Tafl handelt.

Ard Rí

Ard Rí (gälisch: Hochkönig) war eine schottische Tafl-Variante, die auf einem 7×7-Brett mit einem König und acht Verteidigern gegen sechzehn Angreifer gespielt wurde. Dies ist die am wenigsten dokumentierte der bekannten Tafl-Varianten.

Brandubh

Brandubh (oder brandub) war die irische Form von tafl. Aus zwei Gedichten ist bekannt, dass es mit fünf Figuren gegen acht gespielt wurde und dass einer der fünf ein „Branán“, also ein Häuptling, war. Es wurde eine Reihe von 7×7-Brettern gefunden, das berühmteste ist das 1932 in Ballinderry gefundene kunstvolle Holzbrett mit Löchern für Spielsteine, möglicherweise um das Spiel transportabel zu machen. Der Name brandubh bedeutet „schwarzer Rabe“.

Originalregeln wurden nicht gefunden, aber auf der Grundlage dieser 7×7-Bretter, des Textes der beiden Gedichte und der Tablut-Regeln konnte die World Tafl Federation ausgewogene Regeln rekonstruieren, die durch mehrere Tests bestätigt wurden.

Trotz des kleinen Spielbretts und der Schnelligkeit der Spiele bietet Brandubh eine unbestreitbare taktische und strategische Herausforderung, bei der der erste Fehler sehr oft zur Niederlage führt. Die geringe Anzahl der Figuren bedeutet, dass jede von ihnen oft gleichzeitig verteidigen und angreifen muss: Es ist daher leicht, eine dieser Aufgaben zu vergessen, wenn man sich zu sehr auf die andere konzentriert. Wie in den großen Partien von Tafl sind Opfer nützlich, besonders für die Verteidiger, aber mit nur vier Figuren ist es wichtig, den König nicht zu früh im Spiel zu schwächen.

Hnefatafl

Hnefatafl (heute manchmal auch als Wikingerschach bezeichnet) war im mittelalterlichen Skandinavien ein beliebtes Spiel und wurde in mehreren nordischen Sagen erwähnt. Einige dieser Saga-Verweise haben zu einer Kontroverse über die mögliche Verwendung von Würfeln beim Hnefatafl-Spiel beigetragen. Die Regeln des Spiels wurden nie ausdrücklich aufgezeichnet, es sind nur Spielfiguren und fragmentarische Bretter erhalten, so dass nicht sicher bekannt ist, wie das Spiel gespielt wurde. Falls tatsächlich Würfel verwendet wurden, ist nichts darüber überliefert, wie sie eingesetzt wurden. Archäologische und literarische Quellen deuten darauf hin, dass Hnefatafl auf einem 13×13 oder 11×11 großen Spielbrett gespielt wurde.

Hnefatafl wurde in Nordeuropa während der Wikingerzeit (Ende des 8. Jahrhunderts bis 1000 v. Chr.), einer turbulenten Zeit voller Konflikte, zu einem beliebten Spiel. Als das Schachspiel im Mittelalter populär wurde, gerieten die Regeln von Hnefatafl mit der Zeit in Vergessenheit. Hnefatafl war besonders in den nordischen Ländern beliebt und folgte der Wikingerzivilisation in andere Teile Europas, vor allem auf die britischen Inseln und in das Wikingerland Gardarike im heutigen Russland.

Das Spiel entwickelte sich an verschiedenen Orten unterschiedlich. Archäologen haben Ausgaben unter anderem in Irland und der Ukraine gefunden. Hnefatafl bedeutet wörtlich übersetzt „Fausttisch“, der Begriff stammt aus dem Altnordischen.

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